Die richtige Reitschule finden

mit freundlicher Genehmigung: Sonja Berger – PFERDEWISSEN.CH 

Die Suche nach der richtigen Reitschule

kann sich zwar äusserst schwierig gestalten und die perfekte Reitschule wirst du kaum finden. Dennoch lohnt es sich, nicht gleich die erstbeste Reitschule zu wählen, sondern sich alle Ställe in der Umgebung anzuschauen und zu vergleichen. Es ist zudem sehr wahrscheinlich, dass du du früher oder später ein oder mehrere Male die Reitschule wechseln wirst, weil sich deine Bedürfnisse ändern.

Die Adressen von Reitschulen erfährst du aus dem Telefonbuch, vom Pferdesportverband deines Landes oder von Reitern in deiner Umgebung. Leider verdienen nicht alle Ställe, die sich als Reitschule bezeichnen diesen Namen. Hier erfährst du, worauf du achten solltest, wenn du dich auf die Suche nach einer passenden Reitschule machst. 

 

Vieles weisst du natürlich selber noch nicht, wenn du noch nicht reiten kannst, z.B. woran man erkennt, ob ein Sattel passt. Darum ist es hilfreich, wenn du dir die Reitschulen zusammen mit jemandem anschaust, der sich ein wenig auskennt.

Der ideale Stall

Die Pferde leben zusammen auf der Weide, in einem Offenstall oder haben Boxen mit grosszügigem Auslauf. Die Boxen sind nicht durch hohe Gitter voneinander getrennt, sondern haben nur Abtrennungen, über die sich die Pferde mühelos beschnuppern und beknabbern können, denn Kontakt zu anderen Pferden ist ein Grundbedürfnis jedes Pferdes.

 

Die Boxen sind möglichst gross, so dass sich die Pferde mühelos drehen, wälzen und hinlegen können. Die Decke ist so hoch, dass die Pferde sie nicht berühren, wenn sie den Kopf hochwerfen. Der Stall ist hell und luftig.

 

Die Einstreu im Stall ist sauber und trocken. Die Einstreu ist vorzugsweise Stroh, so dass die Pferde rund um die Uhr fressen können, wie es ihren natürlichen Angewohnheiten entspricht. Das Kraftfutter wird über den ganzen Tag in mehrere kleine Portionen verteilt gefüttert und den Pferden steht immer frisches Wasser zur Verfügung. Haben die Pferde nicht rund um die Uhr Auslauf, so dürfen sie das ganze Jahr über doch täglich mindestens 6 Stunden zusammen auf der Weide oder einem grossen Auslauf verbringen.

Leider Realität

Hochvergitterte Einzelboxen ohne Fenster; Pferde, die angebunden in Ständern stehen. Grosspferde stehen in 3×3m-Boxen, in denen sie sich knapp umdrehen können. Kein oder nur seltener Auslauf auf winzigen Koppeln. Im Stall brennt sogar tagsüber das Licht. Beissender Ammoniakgeruch beim Betreten des Stalls.

Stallklima

In deiner neuen Reitschule sollst du dich auch wohlfühlen. Achte darum auch ein bisschen darauf, wie der Umgang der Reiter untereinander ist. Reiter sind Weltmeister in Klatsch und Tratsch, aber Gemeinheiten und Mobbing machen das Stallklima unangenehm. Höre gut zu, wenn die Leute aus dem Stall sich unterhalten und werde hellhörig, wenn die Pferde als «Bock», «Zicke» oder Ähnliches bezeichnet werden. Es zeugt nicht gerade von hohem Respekt, der hier den Pferden gegenübergebracht wird.

 

Je nach deinen persönlichen Vorlieben ist es dir vielleicht auch wichtig, dass es in deiner Reitschule ein aktives Vereinsleben mit verschiedenen Veranstaltungen wie Weihnachtsreiten, stallinternen Turnieren, Festen und Ausflügen gibt. Auch deine reiterlichen Ziele können Einfluss auf die Wahl der Reitschule haben: Möchtest du später in erster Linie ausreiten oder hast du Turnierambitionen in einer bestimmten Disziplin oder möchtest du lieber «ein bisschen alles» machen?

Die Schulpferde

Die Schulpferde sind die Visitenkarte eines Reitbetriebes. Sie müssen gesund sein, haben glattes, glänzendes Fell ohne kahle Stellen; glänzende, klare Augen; Nüstern und Augen sind nicht verklebt und ohne Ausfluss. Die Pferde sind weder zu fett noch zu mager. Bei einem gut genährten Pferd kann man die Rippen leicht mit den Fingern ertasten, sieht sie aber nicht. Die Hufe müssen nicht beschlagen sein, aber sie dürfen nicht schlecht riechen, sehr unregelmässig geformt oder weich sein und Risse oder ausgebrochene Stellen aufweisen. Hufeisen dürfen nicht wackeln. Lass die Finger von einem Stall, wo die Pferde wunde Stellen haben und schlecht gepflegt sind. Weisse Stellen in der Sattellage sind ein Zeichen dafür, dass das Pferd einmal Satteldruck gehabt hat. Wenn nur ein Pferd solche Stellen aufweist, kann das auch von einem Vorbesitzer kommen, entdeckst du aber bei mehreren Schulpferden Satteldrücke, liegt die Vermutung nahe, dass die Schulsättel schlecht passen. Gut gerittene Pferde mit passenden Sätteln haben einen schönen Körper ohne Kanten und Dellen. 

 

Die Schulpferde sollen freundlich und neugierig sein. Pferde, die schlagen, beissen, steigen oder aus Langeweile mit dem Kopf oder dem ganzen Körper hin- und herpendeln, ewig in der Box im Kreis rumlaufen, koppen (tönt wie Rülpsen), an den Gitterstäben schaben oder andere ständig wiederkehrenden Verhaltensweisen zeigen, sind meist aufgrund falscher Haltung oder Behandlung verhaltensgestört. Schlagende, beissende und steigende Pferde sind zudem gefährlich und somit für Reitschüler ungeeignet. Auch Pferde, die sich nicht satteln und zäumen lassen wollen, sind ein schlechtes Zeichen. Sei vorsichtig bei Reitbetrieben, die alle Schulpferde von irgendwo «gerettet» haben. Oftmals heisst das im Klartext vor allem, dass an der Qualität der Schulpferde gespart wurde und du deshalb auf Pferden reiten wirst, die nicht wirklich als Lehrpferde taugen, weil sie selber verritten oder schlecht ausgebildet sind.

 

Während dem Reiten sollen die Pferde zufrieden erscheinen. Nicht gut ist, wenn die Pferde mit langen, steifen Hälsen und hoher Kopfhaltung durch die Halle schlurfen und nur gehen, wenn man sie schlägt oder ihnen die Absätze in die Rippen haut. Weitere Zeichen für Unwohlsein oder Schmerz sind ständiges Kopfschlagen, Zunge zum Maul rausstrecken, Maul aufsperren, steigen, buckeln, mit dem Schweif schlagen, steife Bewegungen und ständiges Durchgehen, wobei letzteres auch von Langeweile während der Stunde herrühren kann.

Frage die älteren Reitschüler ruhig über die Pferde aus. Sie sollten dir nicht erzählen, dass man sie mit Kraft reiten muss oder ohne Gerte und Sporen keine Chance hat.

 

Am besten ist es, wenn unterschiedlich grosse Schulpferde vorhanden sind, so dass dass du auf einem grössenmässig passenden Pferd oder Pony reiten lernen kannst. Ideal ist esm wenn die Schulpferde ausserdem regelmässig von erfahrenen Reitern oder dem Reitlehrer korrigiert werden, damit sie nicht steif werden und sich an die falsche Hilfengebung der Reitanfänger gewöhnen. Wie schon gesagt: Die Pferde sind die Visitenkarte einer Reitschule. Wenn die Schulpferde nicht gesund, gut erzogen, zufrieden und bei entsprechendem Ausbildungsstand des Reiters – aller Anfang ist schwer! – angenehm zu reiten sind, kann der Rest des Stalls noch so toll sein – gutes Reiten wirst du nicht lernen.

Die Ausrüstung

In einer guten Reitschule hat jedes Pferd hat sein eigenes, passendes Sattel- und Zaumzeug. Dieses muss auch gepflegt sein und darf keine Risse und brüchigen Stellen aufweisen. Hängt eine monströse Gebisskonstruktion am Zaumzeug, sollte man dies eher negativ werten. Es kann darauf hinweisen, dass das Pferd nur mit scharfen Gebissen und Hilfsmitteln unter Kontrolle zu halten ist. Ausserdem richtet ein solches Gebiss in den Händen von Reitanfängern viel Schaden im Pferdemaul an.

Das Sattel- und Zaumzeug muss dem Pferd passen. Je mehr und je dickere Satteldecken unter einem Sattel liegen, desto mehr kannst du annehmen, dass der Sattel nicht passt und man in diesem Stall versucht, das so auszugleichen. Auch eine noch so dicke Satteldecke nützt jedoch nichts, wenn der Sattel drückt. Wenn der Sattel nicht passt, schmerzt das dem Pferd. In der Folge bewegt es sich auch nicht losgelassen, was es dir erschwert, selber losgelassen auf dem Pferd zu sitzen, was wiederum dazu führt, dass sich das Pferd noch unwohler fühlt – ein Teufelskreis. Nur auf einem gut sitzenden Sattel kannst du den korrekten Sitz erlernen. Wenn der Sattel z. B. im hinteren Bereich zu tief liegt, rutschen deine Beine ständig nach vorne und so erschwert dir der Sattel das Reitenlernen. Ob ein Sattel tatsächlich passt, wirst du als angehender Reitanfänger beim Besichtigen einer Reitschule jedoch leider kaum beurteilen können. Deshalb solltest du die Pferde um so genauer wie oben beschrieben beobachten.

 

In den meisten Reitschulen ist es üblich, dass die Pferde zumindest im Anfängerunterricht Hilfszügel tragen. Das sind Riemen, die am Sattel und am Pferdekopf befestigt werden und dafür sorgen, dass das Pferd eine bestimmte Hals- und Kopfhaltung einnimmt, die dem Reitschüler das Reiten erleichtern soll. Wenn diese Riemen, Gummibänder oder Schnüre so lang eingestellt sind, dass die Pferde den Hals dehnen können, und wenn sie nur im Anfängerunterricht eingesetzt werden, ist das ok. Lass aber lieber die Finger von einer Reitschule, wo die Hilfszügel so kurz verschnallt werden, dass die Pferde ihren Hals zusammenrollen, und wo auch alle fortgeschrittenen Reitschüler mit mehreren Jahren Erfahrung immer noch mit Hilfszügel reiten müssen. Hier wirst du nicht lernen, ein Pferd selbständig in einer gesunden Weise zu reiten.

Reitlehrer

Der Reitlehrer wie auch das restliche Stallpersonal sollten freundlich sein und auf Fragen der Reitschüler eingehen. In manchen Reitschulen ist ein etwas rauerer Umgangston Alltag. Das muss noch nicht heissen, dass der Reitlehrer deshalb schlecht ist. Die Frage ist, ob du damit zurecht kommst, und ob trotzdem ein gewisses Mass an Respekt gegenüber den Reitschülern und den Pferden eingehalten wird. Reiten lernen ist an sich schon schwer genug, da ist es nicht nötig, dass auch noch wegen dem unsensiblen Reitlehrer Tränen fliessen.

 

Der Reitlehrer teilt die Pferde vor der Reitstunde den Schülern zu. So ist gewährleistet, dass alle Pferde genügend bewegt werden und dass die beliebten Pferde nicht andauernd «Überstunden» machen müssen. Ein guter Reitlehrer weiss, welcher Reitschüler zu welchem Pferd passt und wird eine entsprechende Einteilung machen.

 

Der Reitlehrer soll pünktlich zur Reitstunde erscheinen und während der Stunde nicht einfach in der Mitte stehen und mit jemandem aus dem Stall plaudern oder die Stunde rauchend in einer Ecke sitzend verbringen, sondern sich seinen Reitschülern widmen. Lass die Finger von einer Reitschule, wo der Reitlehrer betrunken zur Stunde erscheint!!!

 

Ein guter Reitlehrer wird seine Reitschüler immer wieder korrigieren und seine Korrekturen nötigenfalls auch verständlich erklären. Dabei darf er durchaus auch streng sein, denn beim Reiten hat man es mit Lebewesen zu tun und deshalb ist etwas Disziplin und Konzentration schon nötig. Wiederholt der Reitlehrer aber immer nur die gleichen Kommandos wie: «Fersen runter», «Antraben», «Hände ruhig»? Solcher Reitunterricht bringt dir nichts, denn du lernst nur, auf Kommandos zu reagieren, erfährst aber nicht, warum etwas richtig oder falsch ist, und wie du Fehler erkennen und verbessern kannst.

Achte auch auf die Art, wie der Reitlehrer mit den Pferden umgeht. Sucht er die Fehler für Ungehorsam bei den Reitern oder stempelt er Schulpferde grundsätzlich als faul und stur ab und fordert als Gegenmassnahme Schläge oder andere Formen von Gewalt?

Reitstunden

Zur Reitstunde gehört neben dem Reiten auch das Putzen, Satteln und Zäumen des Pferdes vor, sowie das Versorgen nach der Reitstunde. In einer guten Reitschule wird dir alles gezeigt und erklärt. Jemand hilft dir, nimmt dir aber nicht die ganze Arbeit ab, sondern lässt dich soweit wie möglich selber machen.


Eine gute Reitstunde läuft in etwa folgendermassen ab: Zuerst werden die Pferde am langen Zügel im Schritt während fünf bis zehn Minuten aufgewärmt. Toll ist natürlich, wenn der Reitlehrer diese Zeit auch für Aufwärmübungen für die Reiter nutzt. Nach der Aufwärmphase beginnt die Arbeit. Allfällige Hilfszügel werden jetzt eingeschnallt. Auf keinen Fall sollten die Pferde schon von Anfang an mit den Hilfszügeln gehen! Achte auch darauf, wie lang die Hilfszügel eingestellt sind. Sie dürfen nicht so kurz sein, dass die Pferde den Kopf fast auf der Brust haben. Es gibt viele verschiedene Hilfszügel. Wenn du bei Anfängern welche siehst, die die Schüler zusammen mit den Zügeln halten, solltest du besser einen Bogen um diese Reitschule machen, denn solche Hilfszügel sind nicht für Anfänger geeignet.


Die Reitstunde soll nicht nur aus monotonem Rundenreiten bestehen. Der Reitlehrer soll gezielt etwas üben. Es ist besser, wenn er weniger Übungen reiten lässt, bis sie klappen, als dass er viele verschiedene Übungen nur einmal reiten lässt, egal ob sie gut waren oder nicht. Eine gute Reitstunde ist meist auch für die Zuschauer interessant. Nach der Arbeitsphase kommt die Dehnungsphase in den letzten fünf bis zehn Minuten. Die Zügel werden wieder länger gelassen, die Pferde können sich strecken, Hilfszügel werden wieder rausgenommen.


In einer guten Reitschule läuft kein Pferd länger als zwei Stunden hintereinander. Eine Klasse sollte höchstens sechs bis acht Reitschüler gross sein. Du kannst dir ja ausrechnen, wie viel Zeit für den einzelnen noch bleibt, wenn ein Reitlehrer in einer Stunde zehn oder zwölf Schüler betreut. Ideal sind weniger als sechs Schüler. Als Reitanfänger solltest du zuerst einige Lektionen Einzelunterricht an der Longe (eine lange Leine, an der der Reitlehrer das Pferd laufen lässt) erhalten, bevor du mit anderen zusammen in einer Gruppe reiten lernst. Du wirst zuerst einmal nämlich genügend damit beschäftigt sein, dein Gleichgewicht auf dem Pferd zu halten, so dass du dich noch nicht mit dem Lenken des Pferdes befassen kannst.

Mindestanforderungen an Pferdehaltung

  • Alle Pferde haben frische Luft, Tageslicht und können das Geschehen ausserhalb des Stalls mitverfolgen. D.h. sie sollten mindestens eine Aussenbox mit grossem, unvergittertem Fenster haben, das auf einer Höhe angebracht ist, auf der die Pferde bequem herausschauen können.
  • Die Boxen sind so gross, dass sich die Pferde ohne Probleme umdrehen und flach hinlegen können, denn nur in der Seitenlage können sie richtig tief schlafen und sich vollständig erholen. Je grösser die Box, desto besser.
  • Die Pferde können sich auch in der Boxe sehen, hören, und beschnuppern. Hör-, Sicht- und Schnupperkontakt über eine Abtrennung hinweg oder durch Gitterstäbe ist besser als gar keiner.
  • Die Einstreu ist sauber, trocken und der Stall wird täglich ausgemistet. Wenn die Pferde eine Einstreu haben, die sie nicht fressen können, z. B. Sägespäne, Hanfstreu oder Papier, müssen sie den ganzen Tag über zusätzlich Stroh oder Heu bekommen um ihr Fress- und Kaubedürfnis zu befriedigen und weil nur so die Verdauung einwandfrei funktioniert.
  • Die Pferde kommen regelmässig zusammen auf die Weide oder in einen Auslauf, wo sie sich ohne Reiter bewegen und austoben, sowie Sozialkontakte pflegen können. Gemeinsamer Auslauf muss auch im Winter und bei schlechtem Wetter gewährleistet sein!

Ein Auge auf den Stall werfen

  • Auf der Stallgasse und im Hof sollten keine Geräte und Gegenstände wie Mistgabeln, Besen, Hufkratzer … herumliegen. Verletzungsgefahr!
  • Im Stall ist Rauchen verboten und dieses Verbot wird auch eingehalten. Heu und Stroh entzünden sich nämlich leicht.
  • Ein sauberer und ordentlicher Stall ist ein gutes Zeichen.

Darauf solltest du achten

Pferde haben von Natur aus ein Bedürfnis nach Hör-, Sicht-, Riech- und Körperkontakt zu anderen Pferden, denn sie sind Herdentiere. Sie wollen ihre Umgebung überblicken können, und haben einen hohen Lichtbedarf. 

In der Natur sind sie den ganzen Tag über in Bewegung und verbringen bis zu zwei Drittel der Zeit mit Fressen. Einzelhaltung, düstere Ställe, keine Abwechslung, schlechte Luft und zu wenig Platz sind nicht pferdegerecht und können zu seelischen und körperlichen Schäden führen. 

Stell dir vor, du wärst 23 Stunden lang zu ödem Rumstehen im Zimmer verdammt und hättest nicht mehr als ein Bett und etwas zu essen und zu trinken! Was man bei uns nicht einmal mehr in Gefängnissen antrifft ist für viele Pferde immer noch bittere Realität.